Wir haben Anfang des Jahres eine bundesweite Umfrage zum Thema Waldbesitz durchgeführt und freuen uns sehr, in diesem Beitrag von den ersten Ergebnissen zu berichten und einen Ausblick auf die anstehenden Workshops zu geben!
Verfasserin: Sina von der Heyde
In diesem Beitrag
- Das Ziel der Umfrage
- Wer hat an der Umfrage teilgenommen?
- Wie wurden die Umfrageteilnehmenden erreicht?
- Welche Kanäle waren bei der Verbreitung der Umfrage entscheidend?
- Einblicke: Generationenthema und Waldbesitz
- Einblicke: Sorgen der Waldbesitzenden und ihr Umgang mit diesen
- Einblicke: Lösungsansätze für die Herausforderungen im Privatwald
- Was wir jetzt mit den Ergebnissen machen? Workshops – seien Sie dabei!
Das Ziel der Umfrage
Die Umfrage zielte darauf ab, waldbezogene Motivationen, Interessen und Bedürfnisse von aktuellen sowie zukünftigen Waldbesitzenden zu erforschen als auch von Personen mit Waldbesitzenden in ihrem persönlichen Umfeld. Dabei standen insbesondere jene Waldbesitzende im Fokus, die nicht forstlich vernetzt sind. Wieso?
Forschung zum Thema Privatwald erreicht oft forstlich vernetzte Waldbesitzende, da diese über entsprechende Zusammenschlüsse (Forstbetriebsgemeinschaften, Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse, Forstwirtschaftliche Vereinigungen etc.) kontaktiert werden können. Da es jedoch keine allgemeine, zentrale Erfassung von Waldbesitzenden gibt, ist es herausfordernd, die Gruppe der forstlich nicht vernetzten Waldbesitzenden zu erreichen. Dies führt dazu, dass deren Interessen, Bedürfnisse etc. bisher wenig erforscht werden konnten.
Dies wollten wir mit unserer Umfrage ändern: Aus diesem Grund wurde unsere Umfrage auch mit der Hilfe von nicht-forstlichen Zusammenschlüssen (z.B. Kirchengemeinden, Musik- und Sportvereine, politische Parteien etc.) verbreitet.
Wer hat an der Umfrage teilgenommen?
Unsere Umfrage hat insgesamt 558 Personen erreicht: 501 davon sind Walbesitzende und die restlichen sind zukünftige Waldbesitzende sowie Personen mit Waldbesitzenden im Umfeld.
Die untenstehende Grafik zeigt, dass 88 % der Waldbesitzenden, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, Waldflächen unter 20 ha besitzen. Der Großteil unserer Umfrageteilnehmenden fällt damit unter die Kategorie des Kleinstprivatwaldes und die restlichen 11 % gehören dem Kleinprivatwald an (Flächen von 20 bis 200 ha). Zudem gaben 86 % der Waldbesitzenden an, dass sie ihren Wald in weniger als 30 Minuten erreichen. Unsere Umfrage hat demnach vor allem Waldbesitzende mit Kleinst- bis Kleinprivatwald erreicht, die in der Nähe ihrer Waldflächen wohnen.

Zudem gaben 86 % der Waldbesitzenden an, dass sie ihren Wald in weniger als 30 Minuten erreichen. Unsere Umfrage hat demnach vor allem Waldbesitzende mit Kleinst- bis Kleinprivatwald erreicht, die in der Nähe ihrer Waldflächen wohnen.
Wie wurden die Umfrageteilnehmenden erreicht?
Insgesamt wurden 356 Personen über forstliche Organisationen (Forstbetriebsgemeinschaften, Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse, Forstwirtschaftliche Vereinigungen etc.) und die Forstverwaltung erreicht. Die restlichen 157 Personen wurden über Ämter und Gemeinden, nicht-forstliche Organisationen/Personen, die Presse sowie die Universität Freiburg erreicht.
Hervorzuheben ist, dass Waldbesitzende auch über nicht-forstliche Kanäle erreicht werden können. So zeigt unsere Umfrage, dass Waldbesitzende insbesondere mit Klein- bis Kleinstprivatwald potentiell über Ämter und Gemeinden erreicht werden können. Hervorzuheben ist zudem, dass das Kontaktieren von Zusammenschlüssen mit Natur-, Wald oder Umweltbezug (BUND, Imkerverein etc.) in Bezug auf die Verbreitung der Umfrage zielführend war. An dieser Stelle möchten wir uns auch nochmals ganz herzlich bei allen bedanken, die uns bei der Verbreitung der Umfrage unterstützt haben!

Unter den Personen, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind insgesamt 80 nicht forstlich vernetzte Waldbesitzende, also solche, die weder in Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen, Forstbetriebsgemeinschaften oder mit der Forstverwaltung bezüglich ihres Waldes in Kontakt sind. Somit haben wir im Rahmen unserer Umfrage Einblicke in deren waldbezogenen Interessen, Bedürfnisse etc. bekommen, die bisher aufgrund der zu Beginn dieses Beitrags genannten Gründe wenig erforscht werden konnten.
Wie haben wir diese Gruppe erreicht?
Insgesamt wurden 38 % dieser Waldbesitzenden von forstlichen Organisationen und der Forstverwaltung erreicht. Ämter- und Gemeinden haben 21 % der Waldbesitzenden erreicht. Die restlichen Waldbesitzenden wurden über Naturschutzorganisationen, die Universität Freiburg selbst sowie Personen aus dem persönlichen Umfeld erreicht.
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass forstliche Organisationen und die Forstverwaltung bei entsprechender zielgruppenorientierter Kommunikation die Möglichkeit haben, forstlich noch nicht vernetzte Waldbesitzende zu erreichen. Des Weiteren stellen Ämter und Gemeinden Akteure dar, die diese Gruppe gut erreichen können.
Welche Kanäle waren bei der Verbreitung der Umfrage entscheidend?
Aus der untenstehenden Graphik lässt sich lesen, dass die Verbreitung der Umfrage über Emails am erfolgreichsten war. Danach folgen die örtlichen Amts-, Mitteilungs- und Gemeindeblätter, die 67 Personen erreicht haben – dieser Kommunikationsweg ist somit auch als zielführend zu bewerten.

Zudem lässt sich aus den Daten schlussfolgern, dass die digitalen Kommunikationswege gegenüber den analogen überwiegen: 449 Personen der insgesamt 594 haben von der Umfrage auf digitalem Wege erfahren. Daher kann es als zielführend betrachtet werden, digitale Kommunikationswege weiterhin zur Erreichung Privatwaldbesitzender zu nutzen. Dafür spricht auch, wie Feil et al. (2018) in ihrer bundesweiten Telefonbefragung von Personen mit und ohne Waldbesitz herausgefunden haben, dass Privatwaldbesitzende „signifikant häufiger internetfähige Endgeräte“ als die übrige Gesellschaft benutzen.
Diese Erkenntnisse sind bedeutsam, insbesondere vor dem Hintergrund der Herausforderung und Wichtigkeit dessen, Klein(st)privatwaldbesitzende zu erreichen (siehe bspw. Stockmann et al. 2023), dabei vor allem jene Waldbesitzende, die nicht forstlich vernetzt sind.
Einblicke: Generationenthema und Waldbesitz
Aus den Angaben der insgesamt 501 Waldbesitzenden, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, lassen sich Schlüsse darüber ziehen, in welcher Weise das Generationenthema für Waldbesitzende relevant ist – ein Thema, auf das wir in unserem Teilprojekt einen besonderen Fokus legen.
Wir haben die Umfrageteilnehmenden mit Waldbesitz gefragt, wer sich aktuell um ihren Waldbesitz kümmert, wobei Mehrfachantworten möglich waren. Insgesamt 63 % der Waldbesitzenden gaben an, sich selbst um den Wald zu kümmern, 19 % gaben an, dass sich Dienstleistende um den Wald kümmern und 34 % gaben an, dass sich die eigene Familie um den Wald kümmert. Auf die Frage, welcher Generation diese Familienmitglieder angehören, antworten 60% der Waldbesitzenden, dass diese Personen der nachfolgenden Generation angehören, 42% der eigenen Generation sowie 28% der Generation der eigenen Eltern. Bei der Frage, wer sich in 10 Jahren voraussichtlich um den Wald kümmern wird, gaben sogar 57% der Umfrageteilnehmenden an, dass sich die Familie um den eigenen Wald kümmern wird, dabei vor allem die nachfolgende Generation.
Dies hebt die Bedeutung der eigenen Familie in Bezug auf den Waldbesitz hervor. Es zeigt sich, dass die nachfolgende Generation bereits jetzt eine entscheidende Rolle in Bezug auf den Waldbesitz dieser Personen spielt und sich aktiv um diesen Wald kümmert. Diese große Bedeutung der eigenen Familie wird auch davon bestätigt, dass insgesamt 52 % der Umfrageteilnehmenden mit ihrer Familie bezüglich des Waldes in Kontakt stehen. Knapp 40 % schätzen den Einfluss der Familie auf waldbezogene Entscheidungen sehr stark bis stark ein. Auch wenn es um waldbezogene Sorgen geht, tauscht sich knapp die Hälfte der Waldbesitzenden mit Freunden und/oder Familie aus.
Die Waldbesitzenden, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, haben zudem viele Wünsche geäußert, die sich auf die nachfolgenden Generationen beziehen. Dabei stechen zwei Wünsche besonders heraus:
In einigen Aussagen kommt ein großer Wunsch nach generellem Walderhalt für die nachfolgenden Generationen zum Ausdruck als auch der Wunsch, dass der Wald innerhalb der eigenen Familie erhalten bleibt. Hier ein paar Beispiele der gemachten Angaben:
„das eines meiner Kinder den Wald weiterbetreibt und es mir gelingt, diesen so umzubauen, dass er für die nächsten Generationen erhalten bleibt.“
„Die nachfolgenden Generationen sollten ebenfalls artenreiche Plenterwälder mit einem Baumartenreichtum in allen Altersklassen“
„Generationsübergreifende Bewirtschaftung durch meine Familie“
„Dass der Wald weiterhin für meine Familie und mich immer ein Erholungserlebnis ist, wie er es für meine Eltern und Großeltern war.“
„daß er den nächsten Generationen auch Freude, Arbeit u. Einkommen bieten kann“
Auch wurde der Wunsch nach Interesse und Begeisterung der nachfolgenden Generationen für den Wald zum Ausdruck gebracht, bspw. durch folgende Angaben:
„Dass meine Nichten irgendwann genau so eine Bindung zu unserem Wald haben wie ich.“
„Das die nächsten Generationen ihn noch zu schätzen wissen“
„Mehr Interesse meiner Kinder an meinem Wald“
Die Analyse dieser Angaben zeigt in der Summe: Die eigene Familie nimmt in Bezug auf das Waldeigentum einen großen Stellenwert einnimmt. Sowohl aktuell als auch zukünftig spielt die Familie eine tragende Rolle in der Pflege des privaten Waldeigentums – prozentual gesehen sind mehr Familienmitglieder als Forstdienstleistende in der Waldpflege involviert und auch in der Zukunft wird dies nach Einschätzung der Umfrageteilnehmenden so sein.
In den Angaben der Waldbesitzenden spiegelt sich somit wider, dass die Sorgfaltspflicht gegenüber dem eigenen Wald „in Bezug auf einen ungeschriebenen Generationenvertrag“ verstanden wird und soziale Faktoren die Beziehungen zu dem Wald prägen (Mack et al. 2025). In Bezug auf unser Teilprojekt bestätigt dies, dass es wichtig ist, das Generationenthema im Waldbesitz und damit verbundene Herausforderungen, Bedürfnisse und Interessen weiterhin zu erforschen.
Einblicke: Sorgen der Waldbesitzenden und ihr Umgang mit diesen
Die Waldbesitzenden, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, haben uns zudem spannende Einblicke in ihre waldbezogenen Sorgen gegeben. Wie die untenstehenden Graphiken zeigen, bereiten ihnen der Borkenkäfer, Dürre, Sturmschäden und die Einschränkung der Eigentumsrechte die meisten Sorgen.
Wir haben die Waldbesitzenden auch gefragt, wie sie mit diesen Sorgen umgehen: Mit 65 % wenden sich die Waldbesitzenden am häufigsten an andere Waldbesitzende, 50 % gaben an, sich Rat bei Expertinnen und Experten zu holen, 49 % sprechen mit Freunden und/oder Familie und 48 % suchen Informationen in den Medien.
Dies zeigt, dass Waldbesitzende vielfältige Wege nutzen, um mit ihren waldbezogenen Sorgen umzugehen. Lediglich 11 % gaben an, ihre Sorgen zu ignorieren. Gleichzeitig kann daraus gelesen werden, dass der Bedarf der Waldbesitzenden, sich mit anderen Waldbesitzenden auszutauschen groß ist, auch das nähere persönliche Umfeld eine wichtige Rolle spielt und Experten als Anlaufstelle fungieren. Auch das Onlineangebot an waldbezogenen Informationen ist entscheidend und wird von den Waldbesitzenden viel genutzt.
Einblicke: Lösungsansätze für die Herausforderungen im Privatwald
Doch die Waldbesitzenden, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, haben uns nicht nur mitgeteilt, was ihnen in Bezug auf ihren Wald Sorgen bereitet, sondern auch, was sie in Bezug auf ihre Herausforderungen im Wald als förderlich empfinden. Hier ein kleiner Einblick:
Es zeichnete sich ab, dass eine gesteigerte Anerkennung, Wertschätzung und Beachtung durch die (Forst-)Politik und auch die restliche Gesellschaft ein Bedürfnis der Waldbesitzenden darstellt und von diesen als förderlich wahrgenommen wird.
Ein Großteil der Waldbesitzenden empfindet bürokratieärmere, schlankere Abläufe und praxistauglichere Förderverfahren als förderlich sowie eine gesteigerte Betreuung bei eben diesen Verfahren. Auch wurden viele Ideen für eine intensivere, generelle Betreuung und Unterstützungsangebote im Privatwald, so insbesondere den Kleinprivatwald geäußert. Darunter bspw. mehr kostenfreie Veranstaltungen für Privatwaldbesitzende, keine Mindestmenge für Papierholz auf zentraler Sammelstelle, Maschinenringe für Personen mit kleinem Waldbesitz. Auch eine gesteigerte finanzielle Förderung und planbare Unterstützung bspw. beim Waldumbau, Aufforstungen oder Neupflanzungen werden als förderlich empfunden, insbesondere für Besitzende kleinerer Flächen.
Was wir jetzt mit diesen Ergebnissen machen? Workshops – seien Sie dabei!
Die zahlreichen, spannenden Ergebnisse unserer Umfrage nutzen wir dazu, die kommenden Szenarioworkshops inhaltlich zu gestalten! Unter dem Motto „Waldbesitz weiterdenken – gemeinsam Wege für die Zukunft finden“ wollen wir in diesen Workshops gemeinsam mit aktuellen und zukünftigen Waldbesitzenden die individuelle Bedeutung des Waldbesitzes und mögliche Strategien für die Zukunft erarbeiten.
Ein besonderer Fokus wird auch hierbei auf der Rolle des intergenerationalen Wissensaustauschs liegen – aus diesem Grund sind nicht nur Waldbesitzende selbst, sondern auch deren nachfolgende Generationen herzlich eingeladen! Die Workshops werden voraussichtlich im Frühjahr 2026 an vier Orten in Baden-Württemberg stattfinden.
Sie haben Interesse an den Workshops? Dann melden Sie sich gerne unter: diana-waldstrategie(ät)ifp.uni-freiburg.de
Wir sind schon sehr gespannt auf die Workshops und freuen uns, Ihnen schon bald wieder von unseren Fortschritten und Erkenntnissen zu berichten!
Foto von Gustav Gullstrand


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